Wie ein Echo aus einer fernen Zeit


Vom ersten Moment an entführt Ecuador mich in vergangene Zeiten und in eingefrorene Erinnerungen. Der Gemüsehändler an der Straße, der mit frischem Obst und Gemüse feilbietet und mit unschlagbar günstigen Preisen. Die öffentlichen Verkehrsmittel, die mit ihrem Knattern schon von weitem ihre Erscheinung ankündigen und die männlichen Fahrgäste während des Fahrens auf- und abspringen lassen. Triste und nicht fertiggestellte Altbauten und die neumodischen Erfindungen, wie moderne Technologie, Streß oder Eile die zu diesem Teil des Landes, kleine Fischerd-dörfchen, die im Süden in der Region Santa Elena an der Küste liegen, noch nicht vorgedrungen sind.

image

Die Freunde in der Fremde

Wilde Hunde streifen durch die Straßen und bewachen vereinzelte Häuser und Grundstücke, denen sie sich zugehörig fühlen. Mit ihren Gebärden erschaffen sie Momente, wo ich mich vor der Konfrontation fürchte, wenn der Hund mich mit Argusaugen beobachtet, aufspringt und wild bellend auf mich zuläuft und mir vor Angst die Luft wegbleibt. Doch im Gegensatz zu den Einheimischen, die sie mit Steinen bewerfen, damit sie fortbleiben, weigere ich mich diese drastische Maßnahme in Betracht zu ziehen und kaufe frische Würste vom Fleischer um sie damit zu Freunden zu machen – noch nie in meinem Leben hatte ich soviele vertrauenswürdige und treue Freunde.
Wenn sie mich jetzt von Weitem erblicken, fangen sie an zu blinzeln und sich freudig zu erheben. Nicht immer habe ich etwas dabei aber das ist nicht mehr notwendig. Sie freuen sich mich zu sehen, während die argwöhnischen Blicke der Einheimischen uns verfolgen, die sich fragen, warum ihr bösartiger Wachhund, den sie mit brutalen Schlägen so wütend machten, sich plötzlich bei der blonden Gringa so freut, wo er doch ansonsten eine Abneigung gegen Men-schen hegt, denen man kaum vertrauen kann, weil sie als gemein gelten und Freude an Grausamkeiten entwickeln.
Jetzt laufen sie mir nach und begleiten mich bei meiner täglichen Runde am Strand, wo Fischer ihre Boote auf einem Auto transportieren um an eine Stelle zu gelangen, an der die Wellen nicht krachend an den Strand fallen und sie die Möglichkeit bekommen mit ihrem Boot auf das offene Meer zum Fischen hinauszufahren, bevor die Welle es erträngt. Wo Surfer sich in den Kampf mit der nächsten Welle stürzen, die sie zu einer wilden Fahrt verführt.

image

Die Mittel zu nutzen wissen

Noch immer befinde ich mich in Olon, einem kleinen Fischerdörfchen umrahmt von Bergen in der Region Santa Elena, im Süden von Ecuador.
Mein Weg führt an einem Sportplatz entlang, der momentan mit Erde und Steinen aufgefüllt wird, die große Laster angekarrt fahren. Ich bin überrascht am Feldrand eine Horde Menschen stehen zu sehen, die dem Laster zusehen und ungeduldig wirken! Ein paar Minuten später weiß ich warum! Kaum sind die Steine auf den Grund gefallen, stürzt die Horde plötzlich vor, sammelt die größten Steine ein und nimmt sie mit!
Sie werden als Sitzgelegenheit dienen!

Die Besucher der Meere

Am Strand, die Sonne fällt gerade vom Horizont, wird mein Blick auf eine Fontäne im Meer aufmerksam. Mein Blick schärft sich. Ein paar majestätische Wale mit riesigen Floßen schwimmen gemächlich und völlig unbeeindruckt der Badegäste und Surfer vorbei. Sie tauchen ab, dann wieder auf! Die Fontänen spritzen und dann springt eins dieser mächtigen und beeindruckenden Tiere aus dem Wasser. Ich bin fasziniert. Ich fühle mich berauscht.
Auf dem Rückweg, es ist bereits dunkel, stolpere ich fast über einen Esel, der am Strand im Gras schläft. Erschrocken und wild schimpfend aufspringt und mich durchdringend ansieht. So stehen wir eine Zeitlang da, bis ich mich langsam wieder entferne und ihm die einsame Idylle des Strandes in der finsteren Nacht überlasse.
Daheim widme ich mich meiner Leidenschaft. Noch immer schleppe ich meine Lieblingsbücher mit mir herum, weil ich mich nicht von meinen besten Freunden zu trennen getraue, die mich durchs Leben begleiten und mir tapfer zur Seite stehen.
Das Leben ist wunderschön, wenn man es mit Dingen füllt, die einen glücklich machen und das Herz erfreuen, auch an einem Ort, an dem die Zeit still zu stehen scheint und wie ein Echo aus früheren Zeiten erklingt.

image


Related Posts

Die ersten Tage in Ecuador

Die ersten Tage in Ecuador

Es ist ein gewöhnlicher Donnerstagabend als ich in Quito, der Hauptstadt von Eucador, lande. In dem Land der Vulkane, der Heimat feuriger Riesen, die immer noch aktiv sind und keine Ruhe geben. Noch fühle ich mich verloren und muss meiner Seele Zeit geben um nach […]

An der Küste von Ecuador

Der erste Morgen an der Küste, die Sonne versteckt sich hinter Wolken, als traute sie sich nicht hinaus. Die Surfer toben in den Wellen, als wären sie dafür geboren. Das Rauschen der Wellen erklingt in meinen Ohren, als spielte es eine wunderbare Melodie und kleine […]



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.