Salta – die Stadt der Sonne


Ein völlig ungewohntes Bild strahlt mir entgegen. Ganze, verputzte, alte Häuser und monumentale Gebäude, anstatt der unzähligen Backsteinhäuser, die mir aus Ecuador und Peru bekannt sind. Schachbrettartige Anordnung der Blöcke. Richtige Straßen. Cafés. Riesige Supermärkte. Berge im Hintergrund. Eine spektakuläre Landschaft der Andengipfel. Weinberge. Kolonialzeitliche Bauten, das Cabildo (Rathaus) und die Kathedrale. Ich bin in Salta. In der Stadt der Sonne.
Salta wurde im Jahre 1582 von dem spanischen Kommandanten Hernando de Lerma gegründet. Sie liegt am Fuße der zauberhaften Anden, in einem idyllischen Tal, auf etwa 1200m Höhe und ist die achtgrößte Stadt Argentiniens.
Ich bin begeistert. Es ist warm. Es ist wunderschön. Ich mag Salta.

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Plaza 9 de Julio

Am nächsten Morgen begebe ich mich zum Plaza 9 de Julio. Dem Hauptplatz in Salta. Die Blätter fallen von den Bäumen. Die Geschäfte stellen die aktuellen Winterkollektionen aus. Die Sonne flüchtet hinter Wolken. Es wird Winter. Winter in Argentinien. Mein erster Winter nach einigen Jahren. Ich freue mich. Jedenfalls im Moment noch.
An jeder Straßenecke steht ein Haus mit einer beeindruckenden Architektur. Der Platz ist gesäumt mit Bäumen und unzähligen Cafes. Mittendrin thront die prachtvolle Kathedrale, mit ihren beeindruckenden Türen, dem barocken Altar und der weinenden Jungfrau.
Gegen Nachmittag erkunde ich den Supermarkt, Carrefour. Die blaurote Schrift des Firmen-Emblems prangt über dem Eingang. Die Argentinier flitzen durch die Gänge und beladen die Einkaufswagen. Ich suche die typischen argentinischen Produkte und werde schnell fündig. Die “Dulce de leche” Creme. Den allseits bekannten Mate-Tee. Die argentinischen Chips. Der gute Wein.
In der Warteschlange wird mir klar, dass die Produkte wahrscheinlich abgelaufen und die Angebote nicht mehr gültig sind, wenn ich endlich dran bin. Immer wieder läuft der Kassierer weg, um einen 2 Peso Schein (2 Cent) in zwei einzelne Münzen zu wechseln, um herausgeben zu können. Einmal Münzen, Kasse 3.
Dem nächsten Kunden gibt er anstatt dem Wechselgeld zwei Bonbons. Ich schaue verwundert, dann erklärt mir die freundliche Dame vor mir in der Warteschlange, dass kommt in Argentinien öfters vor, wenn das Wechselgeld mal wieder aus ist. Verrückt. Aber ok. Ich mag Bonbons.
Als ich den Supermarkt verlasse, bemerke ich den alten, blinden Mann. Er sitzt abseits und spielt Keyboard, um sich etwas Geld zu verdienen. Seine Haut ist runzlig und seine Hände zittern. Sein Herz strahlt Wärme aus. Ich lausche ein bisschen seiner Musik, die Freude bringt, dann begrüße ich ihn. Er schenkt mir ein Lächeln. Ich gebe ihm etwas und er lächelt noch immer. Es gibt Begegnungen, die sind fürs Herz.
Am Nachmittag kaufe ich mir eine Zeitung und sehe die Wohnungsanzeigen durch. Schnell werde ich fündig. 2 Stunden später besichtige ich eine Wohnung. Sie befindet sich zwei Straßen vom Hauptplatz entfernt, ist möbliert und gemütlich. Die Vermieterin nett. Ich ziehe ein und genieße es, wieder ein Zuhause zu haben. Zwei Monate lang reiste ich durch Südperu und Chile. Eine lange Zeit, die ich in Hostels verbrachte. Es ist schön, wieder ein Domizil zu haben.

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San Bernando

Am nächsten Morgen beobachte ich die Nachbarn durch den Türspion. Vielleicht ist Großstadtleben nichts für mich.
Dann wage ich mich die mehr als 1000 Stufen hinauf, die versteckt hinter der Statur bei der Avenida Uruguay und Paseo Güemes liegen. Die Sonne scheint. Die Atmung wird schwer. Die Aussicht verzaubert. Ein Dutzend Schreine säumen den Weg. Dann bin ich oben. Auf dem San Bernando Gipfel. Eine traumhafte Sicht über die Stadt und die umliegenden Täler erstreckt sich vor mir.
Wenn man nicht fit genug ist, kann man auch die Seilbahnfahrt nehmen, am San Martín Park, die seit 1988 zahlreiche Besucher hinauf transportiert.

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Am Abend legt sich die tagsüber herrschende Hektik und wandelt sich, vor allem rund um den Plaza 9 de Julio, in eine gemütliche Flaniermeile. Zahlreiche Restaurants und Bars laden zum Abendessen ein. Es gibt Wein. Guten argentinischen Wein. Die Welt ist wieder bunt.

Fazit: Auch wenn man anfangs keinen kennt, wird man überschwenglich empfangen. Sei es von dem Taxifahrer, der netten Frau in der Warteschlange im Supermarkt oder der Vermieterin. Man versteht nichts von dem Redeschwall und weiß doch das es nett gemeint ist. Der Argentinier heißt einem willkommen. Und schon ist man angekommen.


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