Seit 11 Jahren auf Weltreise – auch das Coronavirus kann uns nicht aufhalten

Seit 11 Jahren auf Weltreise –  auch das Coronavirus kann uns nicht aufhalten

Weltreise seit 11 Jahren

Mein Mann und ich sind seit 11 Jahren auf Weltreise. Ununterbrochen. Wir sind einmal um die ganze Welt gereist. Vor 7 Monaten sind wir nach Kanada gekommen, wo vor 11 Jahren unsere Weltreise begonnen hatte.
Als das Coronavirus ausbrach befanden wir uns in Calgary mit den Rocky Mountains vor der Haustür.
Ich war glücklich, weil ich Ski fahren durfte.
Dann brach das Virus aus. Erst hörte man davon nur in China, dann breitete es sich rasant in Europa aus. Fast zeitgleich traf es in Kanada ein, nachdem ein Mann von einer Reise nach China, einschließlich Wuhan, nach Toronto zurückgekehrt war.
Ehe wir uns versahen, saßen wir mit einem deutschen Pärchen im Lift, die vorm Karneval in Köln geflüchtet waren. Sie berichteten, dass es in Deutschland kein Toilettenpapier und keine Nudeln mehr gab. Aber stärkere Eskalationsstufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in dem 37-Millionen-Einwohner-Land noch keine Einschränkungen.

Wie Kanada mit dem Coronavirus umgeht

Nachdem Sophie Grégoire, die Ehefrau des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau, positiv getestet wurde, begaben sich beide vorsorglich für 14 Tage in Quarantäne.
Nun sahen wir die ersten Auswirkungen. Im Supermarkt standen wir vor leeren Regalen. Toilettenpapier wurde Luxusgut.
Menschen trugen Masken. Alte Tanten warfen sich in die Regale, um den Abstand zu wahren.
Aus Europa überschlugen sich die Schreckensmeldungen. Unzählige Tote in Italien.
Dann machte unser Skigebiet dicht. Die Mitarbeiter wurden entlassen und mussten das Land verlassen.
Unser Regierungschef wandte sich an das Volk und sprach, wir sollten rausgehen und wandern gehen. Draußen unterwegs sein, würde uns gesund halten, aber als das alle taten, war es auch nicht recht. Die Nationalparks und Wanderwege wurden geschlossen. Dann die Provinzparks. Spielplätze. Tennisplätze. Man konnte nirgendwo mehr hin. Auch weltweit spitzte sich die Lage zu. Ländergrenzen wurden dichtgemacht, Visa weder ausgestellt noch akzeptiert, Flüge gestrichen, ganze Nationen in den Ruhemodus versetzt. Dann schränkte auch Kanada die Reisemöglichkeiten ein. Allgemeiner Hausarrest wurde verhängt. Zu Hause bleiben war die neue Devise.

Gestrandet in Kanada – die Lage spitzt sich zu

In einem Altersheim in Montréal wurden Dutzende Senioren dehydriert, unterernährt und in ihren eigenen Exkrementen gefunden. 31 verstarben. Die meisten Pfleger waren aus Furcht vor dem Coronavirus nicht mehr zur Arbeit gekommen. Das Altersheim war eine Luxusresidenz, deren monatliche Gebühr mehrere Tausend Dollar pro Bewohner beträgt.
Unsere Vermieter warfen uns aus der Wohnung. Wir fuhren 1200km in den Nachbarstaat British Columbia. Ich hatte Angst, die Polizei würde uns anhalten, aber unterwegs war alles ruhig. Auf der Hälfte des Weges übernachteten wir in einem Hotel. Frühstück gab es nicht mehr.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Vancouver und setzten mit der Fähre zur Sunshine Coast über. Während der Überfahrt mussten wir im Auto bleiben.
Wir mieteten eine Hütte im Wald und konnten wieder wandern gehen und Natur saugen.
Aber an unserem Nummernschild erkannten die Anwohner, dass wir Ausländer waren. Dazu sprachen wir eine fremde Sprache. Als wir einmal wandern gingen, sagte ein Anwohner zu uns: “Touristen” Dann spuckte er auf dem Boden und schimpfte: “Ich möchte euch hier nicht haben! Verschwindet! Kommt nie wieder her!”
Wir fuhren nie wieder zu diesem Wanderweg.
In unserem Häuschen merken wir kaum etwas von der Corona Pandemie, nur wenn wir mit der Familie in Deutschland kommunizieren. Oder zum Einkaufen fahren. Am Straßenrand pranken Schilder mit Aufschriften: Tourist go home. We don’t want you here.
Einmal hielt uns eine Rollstuhlfahrerin mit Mundschutz ein Schild entgegen: “Tourist you are killing me”. Ein anderer Anwohner zeigte uns den Stinkefinger.
Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Das ist erschreckend. Die Anwohner sagen, wir sollen gehen, aber wohin sollen wir denn gehen. Wir wohnen doch hier. Wir sind keine Touristen. Wir sind seit 7 Monaten im Land, aber das wissen die Anwohner nicht. Sie haben Angst und die Angst macht sie verrückt. Man kann es ihnen nicht verübeln. Die ganze Welt hat Angst. Wir auch. Vor den Menschen. Wir fühlen uns fremd und das ist kein schönes Gefühl. Zum ersten Mal auf unserer Weltreise fühlen wir uns nicht Willkommen.
Was weiter passiert, wissen wir nicht. In zwei Monaten müssen wir offiziell das Land verlassen, wir wollten auf einen Roadtrip durch die USA nach Costa aufbrechen, aber die Grenzen sind geschlossen.

Zurückgehen ist keine Option

Zurückgehen ist keine Option für uns. Wir sind schon seit 11 Jahren unterwegs. Wir haben uns, und damit alles was wir brauchen. Eine Rückreise wäre mit massiven Kosten und schlimmen Ungewissheiten verbunden. Zudem wüssten wir nicht, was wir in Deutschland machen könnten, was wir nicht auch hier machen können. Uns bleibt nur zu hoffen, dass bald alles wieder normal ist oder Kanada gewillt ist uns länger zu behalten. Wir geben nicht auf. Noch nicht!


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